Gizeh – We built the Pyramids!

Bei einem Ägyptenurlaub darf ein Besuch bei den Pyramiden von Gizeh natürlich nicht fehlen. So war ich auch mit meiner Freundin letztes Jahr im Februar dort. Das absolute Highlight unseres Urlaubs war das aber nicht, sodass ich jetzt erst über ein Jahr später davon berichte. Woran das genau liegt, werde ich hier etwas erörtern.

Gizeh: das, worauf die Sphinx guckt.
Gizeh: das, worauf die Sphinx guckt.

Die Pyramiden liegen nicht etwa irgendwo in der Wüste, sondern direkt am Rand von Gizeh, das die ganze an Kairo angrenzende Bebauung am westlichen Ufer des Nils umfasst. Man kann sich die knapp 20 km aus dem Zentrum direkt mit einem Taxi dorthin fahren lassen, ohne einmal die Stadt zu verlassen. Nachdem wir dann unseren Taxifahrer und einen weiteren aufdringlichen Mann losgeworden waren, kamen wir ohne Wartezeit durch die Kasse und auf das Plateau, auf dem die Pyramiden stehen. Wir waren an einem normalen Wochentag dort und es war bis auf etliche arabische Touristen insgesamt recht leer.

Die größte Pyramide in Gizeh: die Cheops-Pyramide. Im Vordergrund sieht man den Schutzbau für eine Sonnenbarke, die man dort ausgegraben hat.
Die größte Pyramide in Gizeh: die Cheops-Pyramide. Im Vordergrund sieht man den Schutzbau für eine Sonnenbarke, die man dort ausgegraben hat.

So hatten auch die zahlreichen Händler nicht viel zu tun und wir bekamen andauernd Angebote für Kamel-/Pferde-/Elefanten-Touren durch die angrenzende Wüste. Insgesamt hatte ich aber auf Grund der Erzählungen, die uns zugetragen wurden, deutlich schlimmeres befürchtet. Die Souvenir-Stände waren alle auf den Vorplatz der Sphinx konzentriert und wir haben dort tatsächlich für den Preis einer 50 km-Taxifahrt eine Flasche Sand gekauft, weil es das einzige erträgliche Souvenir dort war. In direkter Nähe der Pyramiden war es sogar ziemlich ruhig und wir wurden kaum mit Tour-Empfehlungen behelligt.

Im Taltempel der Chephren-Pyramide neben der Sphinx.
Im Taltempel der Chephren-Pyramide neben der Sphinx.

Nachdem man am Eingang Eintritt bezahlt hat, kann man sich dann frei auf dem Gelände bewegen. Wir gingen zunächst an der Cheops-Pyramide vorbei und statteten der Sphinx einen Besuch ab, die tatsächlich ziemlich groß und relativ ramponiert ist. Für ihr Alter ist sie aber doch noch ganz gut erhalten. Verglichen mit dem Niveau des Tempels, durch den man seitlich zur Sphinx kommt, steht sie etwas tiefer und war ja bereits mehrmals bis zu den Schultern im Sand vergraben. Von diesem Taltempel führt dann ein Aufgang nach oben zu weiteren Tempelresten vor der Chephren-Pyramide. Die ist zwar etwas kleiner als die Cheops-Pyramide, steht aber etwas höher, sodass der Unterschied kaum auffällt. Ansonsten erkennt man sie ganz gut an der noch erhaltenen Verkleidung an der Spitze.

Als wir dort waren, konnte man das Innere der Chephren-Pyramide gegen zusätzliches Entgelt besichtigen, was wir auch gemacht haben. Welche Pyramide geöffnet ist, wechselt regelmäßig und während die Chephren-Pyramide recht günstig zu betreten ist, kostet der Eintritt in die Cheops-Pyramide ein Vielfaches des Gesamt-Eintritts für das Gelände. Im Gegensatz zur Chephren-Pyramide lohnt es sich dort aber vielleicht auch. In ersterer führt nur ein steiler und nicht sehr hoher Gang nach unten und dann wieder hinauf (Querschnitt). Zwischendrin zweigt noch ein enger Luftschacht ab, dann kommt man in die Grabkammer. Dort wird man dann ungefragt von den zwei “Aufpassern” vollgequatscht, die hinterher ein Trinkgeld dafür haben wollen. Ansonsten ist dort nichts außer einem großen Steinsarg und dem Grafitto des Erstentdeckers. Die Luft ist auch nicht sonderlich frisch dort drinnen…

Männer auf einem Tempelrest vor der Chephren-Pyramide.
Männer auf einem Tempelrest vor der Chephren-Pyramide.

In einigem Abstand kommt man dann noch zur Mykerinos-Pyramide, die kleinste der drei Pyramiden von Gizeh, die neben den anderen beiden recht unbedeutend wirkt und vor allem durch das größere Loch an der Vorderseite auffällt. Das Gelände ist insgesamt recht weitläufig und es war doch recht warm, sodass wir uns dann von dort wieder auf den Rückweg gemacht haben. Für das optimale Pyramidenfoto hätten wir noch weiter in die Wüste hinaus laufen müssen.

Schild mit Aufschrift "No Climbing" an der Chephren-Pyramide in Gizeh.
Nicht auf die Pyramiden klettern!

Warum fand ich den Besuch dort also nicht so toll? Neben den geschäftstüchtigen Ägyptern lag es wohl vor allem daran, dass die Pyramiden nicht sonderlich kunstfertig sind. Das einzige beeindruckende was sich dort direkt erschließt ist die pure Größe der Pyramiden. Alle weiteren (auf jeden Fall sehr beeindruckenden) Fakten über ihr Alter und ihre Geschichte kann man sich besser aus der Wikipedia anlesen, vor Ort erfährt man sie nicht. Was das enorme handwerkliche Geschick und die Weltanschauung der alten Ägypter betrifft, den Totenkult und den unglaublichen Prunk des Grabes von Tutanchamun, kann man das alles deutlich besser im Ägyptischen Museum in Kairo erleben 1. Letztlich sind die Pyramiden nur sehr große Stapel sehr großer Steine, die nicht mal sonderlich ordentlich sind.

Notes:

  1. Dort durfte man leider nicht fotografieren

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