München – Meta-Museum und Olympiapark

Bevor es hier mit Berichten meiner Urlaube aus dem letzten Jahr weiter geht, will ich noch das Jahr 2014 abschließen. Es fehlt noch ein Bericht über München, wo ich seinerzeit häufiger war, weil meine Freundin dort wegen ihrer Bachelorarbeit wohnte. Dabei geht es hier vor allem um das Deutsche Museum und das Gelände der Olympischen Spiele 1972.

Eigentlich wollte ich zunächst einen eigenen Beitrag über das deutsche Museum in München schreiben. Ich habe dann aber aus der Wikipedia erfahren, dass man dort zwar fotografieren darf, man darf seine Bilder aber nicht im Internet veröffentlichten. Ich bitte daher um Entschuldigung für die unpassende Bebilderung. Die Fotos hier stammen alle aus der Münchner Innenstadt und vom Olympia-Gelände. Es wurde vom Architekten Günter Behnisch geplant und ich halte es mit seinen luftigen Zeltdächern für eine sehr ansprechende Konstruktion. Das deutsche Museum dagegen ist ein riesiger Komplex dem es sehr an filigraner Transparenz mangelt. In dem Bau finden sich dutzende Ausstellungen zu sämtlichen Bereichen von Naturwissenschaft, Technik und Industrie. Da es die schiere Menge an Ausstellungen unmöglich macht, alle aktuell zu halten, ergibt sich so zusätzlich eine Art Meta-Ausstellung über die Museumspädagogik der letzten Jahrzehnte. Es gibt sogar eine eigene Homepage über die aktuelle Modernisierungsinitiative von 2006-2025. Die haben auf jeden Fall viel Arbeit damit…

Das alte Stadttor am Karlsplatz (Stachus) in der Münchner Innenstadt mit einem Springbrunnen im Vordergrund.
Das alte Stadttor am Karlsplatz (Stachus) in der Münchner Innenstadt.

Während die allgemeine Physikausstellung im Sommer 2014 aussah wie eine mit Pendeln und ähnlichen Experimenten zum Ausprobieren vollgestellte Bahnhofshalle aus den 70ern, ist die Fotografie-Ausstellung recht aktuell und ansprechend gestaltet. Ich war vor allem an der Computer-Ausstellung interessiert, wo es noch einige sehr sehr alte Computer von Konrad Zuse im Original zu sehen gibt. Diese sind zwar sehr schön in den historischen Kontext einsortiert und die Ausstellung zeigt ganz nett den Weg über mechanische Rechenhilfen wie Zirkel 1 und mechanische Rechenmaschinen bis zu ersten elektrischen Geräten. Bei den dann folgenden Großrechenanlagen (mit Lochkarten und so) ist die Beschriftung aber leider sehr auf die technischen Details konzentriert und lässt jegliche Faszination für das Thema im Keim ersticken.

Ein Eingang zum Olympiastadion mit den Original-Kassenhäuschen von 1972.
Ein Eingang zum Olympiastadion mit den Original-Kassenhäuschen von 1972.
Die Sitzreihen im Olympiastadion in München, von oben.
Die Sitzreihen im Olympiastadion in München.

Die Ausstellung ist sehr auf das reine Sammeln toter, alter Dinge konzentriert und bietet kaum Wissen darüber, wie die Geräte früher genutzt wurden. 2 Ich finde es zum Beispiel total unvorstellbar, wie früher Computer mit Lochkarten betrieben wurden. Die ganze Infrastruktur mit speziellen Geräten zum Lochen usw. ist ja mittlerweile spurlos verschwunden. Die Ausstellung im Deutschen Museum hat mir da auch nicht weiter geholfen. Auch eine Führung durch die Ausstellung, die ich bei einem zweiten Besuch mitgemacht habe, hat da nicht viel interessantere Informationen vermittelt. Die anschließende Ausstellung über Telekommunikation dagegen war zwar ähnlich ältlich, während der Führung wurde aber an interaktiven alten Geräten vorgeführt, wie so eine Telefonvermittlung vom Anrufer zum Zielapparat früher funktionierte und wie die Technik weiterentwickelt wurde.

Der Ansatz des Living Computer Museums in den USA gefällt mir ansonsten deutlich besser. Deren teilweise über 40 Jahre alten Rechner sind fast alle noch funktionsfähig und man kann sich über die Website einen Onlinezugang zu den alten Computern registrieren lassen. Noch viel interessanter fände ich aber Anlagen, die noch im Originalzustand an ihrem Einsatzort sind, wie etwa den Längstwellensender in Grimeton. Kennt jemand so etwas für Computer?

Ein Fußgängertunnel am U-Bahn-Hof Marienplatz in München.
Ein Fußgängertunnel am U-Bahn-Hof Marienplatz in München.

Insgesamt hatte ich mir das Deutsche Museum jedenfalls deutlich cooler vorgestellt. Bei einer derart großen Sammlung und Ausstellungsfläche ist es aber auch unglaublich schwierig, alles auf einem didaktisch aktuellen Stand zu halten. Ich bin da vielleicht auch etwas anspruchsvoller, seit ich in Bremerhaven im Deutschen Auswandererhaus war. Das schafft es enorm gut, ein so abstraktes Thema wie Auswanderung zu vermitteln. Die Ausstellung dort vermag es, ein Gefühl dafür zu erzeugen, wie es damals gewesen sein muss, nach Amerika auszuwandern. Die Ausstellungen im Deutschen Museum haben das bei mir oft nicht geschafft.

Notes:

  1. Da gab es sehr komplizierte Varianten, etwa zum Dritteln von Winkeln.
  2. Ähnliches gilt auch für die Unmengen an historisch äußerst bedeutsamen Flugzeuge, Schiffe, …

2 Kommentare zu “München – Meta-Museum und Olympiapark

  1. Ja, leider ist es richtig, dass der Wandel in der Museumskultur, der in anderen Länder (allen voran Engalnd – siehe diverse Londoner Museen) schon seit Jahrzehnten vollzogen wird, erst jetzt langsam in Deutschland ankommt. Hier ist man tatsächlich noch viel zu sehr auf das “Sammeln toter, alter Dinge” konzentiret. Obwohl das natürlich, rein historisch/wissenschaftlich gesehen, auch eine Berechtigung und einen Wert hat. Leider ergbit das ohne ansprechende Präsentation kein gutes Museum.

    Beste Grüße
    Andi

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