Prag – hin und wieder zurück

Vor nun zwei Wochen habe ich meine Doktorarbeit bei meiner Fakultät eingereicht. Daraufhin bin ich in der letzten Woche mit meiner Freundin semi-spontan für drei Übernachtungen nach Prag gefahren, insbesondere auch, weil es aus Jena eine sehr angenehme und günstige Fernbusverbindung dorthin gibt. Ein Hotel haben wir über Hotwire gebucht, wo man Restposten an Hotelzimmern nach dem Zufallsprinzip (man wählt nur Stadtteil und Preis) buchen kann.

Türme am rechten Ende (flussabwärts) der Karlsbrücke in Prag.
Türme am rechten Ende (flussabwärts) der Karlsbrücke in Prag.

Wir hatten buchstäblich das letzte Zimmer in unserem Hotel (Buchstabe S) im Dachgeschoss des fünfstöckigen Altbaus ohne Fahrstuhl. Es hatte durchaus einen gewissen Charme mit freiliegenden Dachbalken und war (abgesehen von Kleinigkeiten wie schlecht regelbarer Wassertemperatur in der Dusche…) für den Preis schon ganz schön. Das Hotel lag in einem Stadtteil mit vielen alten Wohnhäusern und etlichen mehr oder weniger hippen Kneipen, Kaffee-Bars etc. und mit der nicht weit entfernten Straßenbahn war man schnell in der Innenstadt.

Dort haben wir uns abends nach unserer Ankunft gleich in die Touristen-Massen gestürzt, die sich im Wesentlichen entlang weniger Straßen bis zur Karlsbrücke wälzen. Die wurde im 14. Jahrhundert errichtet und ist mit ihrer Länge von über 500 Metern schon wirklich beeindruckend. Sie überspannt nicht nur die Moldau, sondern auch noch eine ganze Insel in dem Fluss. Auf der anderen Seite liegt dann auf einer Erhöhung die Prager Burg mit dem Veitsdom, die größte geschlossene Burganlage überhaupt. Abends kann man das ganze Gelände kostenlos betreten und von dort ist auch das Foto im Hintergrund aufgenommen.

Blick flussabwärts auf die Karlsbrücke und einen Regenbogen über der Altstadt von Prag.
Blick flussabwärts auf die Karlsbrücke und einen Regenbogen über der Altstadt von Prag.

Die meiste Zeit haben wir einfach die Stadt erkundet, die wirklich beeindruckende Häuserzeilen aufweisen kann. Wir waren aber auch im Lego-Museum, wo es einen über fünf Meter langen Nachbau der Karlsbrücke und einiger weiterer Gebäude gibt. Außerdem habe ich auch vieles aus meiner Kindheit 1 dort wiedererkannt. Es gibt aber auch so einige interessante Anblicke in der Stadt:

Ein echter Alchemistenofen aus dem 17. Jahrhundert in einem Prager Keller.
Ein echter Alchemistenofen aus dem 17. Jahrhundert in einem Prager Keller.

Unser persönliches Highlight war aber die Führung durch ein echtes alchemistisches Labor aus dem 16. Jahrhundert, das wir zufällig im jüdischen Viertel entdeckt haben. Es wurde von Kaiser Rudolf II. eingerichtet, der unter anderem auch Kontakt mit Tycho Brahe und Johannes Kepler pflegte. Gelegen im Geheimen unter einem der ältesten Häuser Prags (vermutlich über 1000 Jahre alt), war es nur über drei unterirdische Tunnel zugänglich und wurde nach dem Ende der Herrschaft Rudolfs zugemauert. Erst durch das Moldau-Hochwasser im Jahr 2002 trat es zu Tage, als der Boden vor dem Haus einstürzte und den geheimen Keller offen legte. In einer Wandnische wurde noch eine Phiole mit dem Trank der Ewigen Jugend sowie weitere Rezepte gefunden. Ebenso sind der alchemistische Ofen und die Flaschen auf der unteren Stufe in dem Bild noch Originale. Insgesamt kann man drei Kellerräume besichtigen, in denen wohl früher etliche Alchemisten beschäftigt waren. Heutzutage werden die Tränke wieder nach Originalrezept hergestellt (im wesentlichen Kräuterschnaps und Wein) und in dem ebenfalls sehr liebevoll eingerichteten Laden über dem Keller an gut betuchte Touristen verkauft. Der Besuch war jedenfalls eine sehr spannende Sache mit einer guten Führung.

Ein Turm der Teynkirche im Zentrum von Prag bei Nacht.
Ein Turm der Teynkirche im Zentrum von Prag bei Nacht.

Ansonsten hatten wir auch ein Stativ mit, das ich an einem Abend benutzt habe um die interessantesten Gebäude im Dunkeln zu fotografieren. Besonders auffällig waren zum Beispiel die Türme der Teynkirche im Zentrum Prags (links), deren Beleuchtung uns wahlweise an ausgehöhlte Halloween-Kürbisse oder das Schloss des Bösewichts in einem Disneyfilm erinnerten. Auf dem Platz davor konnten wir eine Feuershow eines Straßenkünstlers miterleben. Auch auf einer der vielen Moldau-Inseln war viel los. Dort gab es kostenloses Essen von einer großen amerikanischen Fastfood-Kette, die gleich noch ein komplettes Open-Air-Festival auf der Insel finanzierte. Aber von dort aus machten auch das Nationaltheater und natürlich die Karlsbrücke mit den anschließenden Turmbauten einen guten Eindruck mit ihren Spiegelungen in der Moldau:

Notes:

  1. …und der Kindheit meiner Schwestern

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