Kairo von unten – Zamalek

Nachdem es im letzten Artikel einen ersten Überblick über Kairo gab, werden wir uns jetzt der Stadt von weiter unten, aus der Straßenperspektive, nähern. Auch mein erster Eindruck von Kairo, nach dem glattpolierten Flughafen, war von Straßen geprägt: wir wurden am Flughafen abgeholt und fuhren dann über eine der vielen Schnellstraßen, hinweg über unzählige kleinere Straßen auf tieferer Ebene, zwischen riesigen Werbeplakaten und Häusern in sämtlichen Verfallszuständen hindurch in die Innenstadt und über den Nil in den Stadtteil Zamalek auf der Nil-Insel Gezira. Um diesen Teil von Kairo wird es hier im Weiteren gehen.

Ein mutmaßlich leerstehender Turm im kairoer Stadtteil Zamalek.
Ein mutmaßlich leerstehender Turm im kairoer Stadtteil Zamalek.

Eines der ersten Gebäude auf der Insel, die wohl damals auch nur zu Zeiten des Nil-Hochwassers tatsächlich vollständig vom Nil umschlossen war, war ein Palast, der in den 1860er Jahren gebaut und zur Unterbringung von Gästen bei der Eröffnung des Suez-Kanals genutzt wurde. Es gehört mittlerweile zu einem Mariot-Hotel und ist in den Hotelkomplex integriert. Zu dieser Zeit befand sich Ägypten unter einer Art britischer Herrschaft und es entstanden weitere Luxusbauten, vor allem für die britische Oberschicht. Einige dieser Villen existieren immer noch und werden heutzutage überwiegend von ausländischen Botschaften genutzt, sodass man sie nicht so gut fotografieren kann.

Dazwischen stehen hohe grau-braune Häuser und grau-braune Bäume. Während es in den höheren Etagen überwiegend Wohnungen gibt, sind im Erdgeschoss zahlreiche kleine Läden, in denen man zum Beispiel Wasserhähne, halbe Schweine oder Harley-Davidsons kaufen kann. Wegen der vielen Botschaften ist das ganze Viertel sehr international geprägt. Es gibt Supermärkte mit europäischen Produkten und wir waren zwei Mal sehr gut asiatisch essen. Die schmalen Straßen im Inneren des Viertels sind bis in die späteren Abendstunden mit hupenden Autos und Taxis vollgestopft, zwischen denen man sich als Fußgänger hindurch bewegen muss, da die Bürgersteige zwar vorhanden, aber meistens unbenutzbar sind, zum Beispiel weil sie voller Müll sind oder graue Bäume und Wachpersonal einer Botschaft auf ihnen stehen. Ägypter benutzen sie generell nicht. Auf der Straße gilt als einzige Regel, dort zu fahren/gehen, wo gerade Platz ist und dabei möglichst oft zu hupen, damit auch alle anderen Verkehrsteilnehmer mitbekommen, dass man dort gerade fährt/geht 1. Die einzige Ampel im Großraum Kairo habe ich nahe den Pyramiden in Gizeh gesehen, während sich der Stau mit unserem Taxi mit einem anderen Stau in orthogonaler Richtung kreuzte und vermischte, wobei natürlich keiner die Ampel beachtete.

Bebauung am Nil, links Zamalek auf der Insel Gezira.
Bebauung am Nil, links Zamalek auf der Insel Gezira.

Das Nilufer ist zu beiden Seiten der Insel überwiegend zugebaut. Teilweise stehen dort Häuser, teilweise gibt es eintrittspflichtige Parkanlagen mit Restaurants oder Restaurantschiffen oder die Grundstücke liegen in unterschiedlichen Verwüstungszuständen brach. Trotzdem hat man gelegentlich einen ganz guten Blick auf die andere Seite des Nils. Wie wir ja auch schon von oben gesehen hatten, ist das östliche Ufer von einigen Bank- und Hotelhochhäusern geprägt, während es auf der Westseite sehr viele grau-braune Wohnhäuser gibt. Davon gibt es abschließend noch ein paar weitere Impressionen (anklicken zur Vollbildanzeige):

Notes:

  1. Als Fußgänger ist man dabei insofern etwas benachteiligt, dass man in der Regel keine Hupe mitführt. Dafür kann man die ständigen Stauungen im Verkehr bequem zum Wechseln der Straßenseite nutzen.
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