Vasa-Museum: kein Knäckebrot

Heute geht es um eine der größten touristischen Attraktionen Stockholms: das Vasa-Museum. Die Vasa, die dort ausgestellt ist, hat mit dem Knäckebrot allerdings nur gemeinsam, dass beide nach dem selben schwedischen Königsgeschlecht um Gustav Vasa benannt sind 1 und beide ziemlich trocken sind. Bei der Vasa war das nicht immer so, denn sie ist ein Kriegsschiff und hat lange Zeit unter Wasser verbracht.

Die Vasa in ihrem Museum, fotografiert etwa aus Wasser-Höhe.
Die Vasa in ihrem Museum, fotografiert etwa aus Wasser-Höhe.

Die Vasa wurde als Prachtstück der schwedischen Kriegsflotte während des 30-jährigen Krieges vom schwedischen König in Auftrag gegeben und hatte am 10. August 1628 ihre Jungfernfahrt in Stockholm, wo sie auch gebaut wurde. Nach einem guten Kilometer Fahrt wurde das Schiff leider von einer leichten Brise erfasst und ging prompt unter. Da der König besonders viele Kanonen auf dem Schiff unterbringen wollte, hatte man nachträglich die Pläne abgeändert. Die zwei Kanonendecks der Vasa wurden recht hoch und das Schiff lag nicht mehr ausreichend stabil im Wasser. Es wurde zu wenig Ballast mitgeführt, sodass schon die leichten Windböen reichten, um das Schiff in eine solche Schräglage zu bringen, dass Wasser in die Kanonenluken lief. Letztendlich kamen so etwa 30-50 Seeleute ums Leben.

Blick von oben auf die Vasa in ihrem stockholmer Museum.
Blick von oben auf die Vasa in ihrem stockholmer Museum.

Erst im Jahr 1956 wurde die Vasa von einem privaten Wrack-Sucher wiedergefunden. Da in dem Brackwasser keine Holz-fressenden Würmer leben, war das Material des Wracks noch weitgehend intakt und die Vasa konnte 1961, nach genau 333 Jahren unter Wasser (und etwa 20 Minuten auf dem Wasser), geborgen werden und konnte, mehr oder weniger aus eigener Kraft schwimmend, wieder an Land gebracht werden. Danach folgte eine 17-jährige Behandlung mit Polyethylenglykol, das das Wasser im Holz langsam ersetzte und so das Material konservierte. Zusammen mit den unzähligen einzelnen Fundstücken an Bord konnte man so einen einzigartigen Einblick in die Schifffahrt und den (unglücklicherweise nicht erfolgreichen) Schiffsbau des 17. Jahrhunderts gewinnen. An historischer Bedeutung wird die Vasa wahrscheinlich höchstens von Pompeji 2 übertroffen, das einen ähnlich vollständig konservierten Eindruck einer vergangenen Zeit bietet. Es sind sogar großflächige Teile der Segel erhalten!

Mittlerweile ist das Wrack in einem eigens gebauten Museum in Stockholm zu besichtigen. Wir mussten erst mal eine halbe Stunde lang in der Schlange vor dem Gebäude warten, bis wir an den Kassen angekommen waren. Hat man die hinter sich gelassen, bietet sich ein imposanter Blick auf das Schiff, in etwa wie auf dem oberen Foto. Das gesamte Museum ist deutlich umfangreicher als ich erwartet hätte und bietet auf mehreren Ebenen ausführliche Informationen zu sämtlichen Aspekten des Schiffbaus und der Kriegsschifffahrt der Zeit, sowie auch zu der aufwändigen Konservierung und Bergung. Außerdem hat man so aus verschiedensten Perspektiven die Möglichkeit, die kunstvollen Schnitzereien an Bug und Heck zu betrachten, auf das Deck zu blicken oder den Kiel zu studieren. Insgesamt ein sehr interessantes und gut gestaltetes Museum, in dem wir trotz mehrstündigem Aufenthalt nicht alles gesehen haben. Sollte man auf jeden Fall besichtigen, wenn man mal in Stockholm ist!

Notes:

  1. Ich habe gerade in der Wikipedia gelernt, dass vasa auf Schwedisch Ähre heißt und das Wappensymbol der Könige war. Auf Deutsch und auch beim Knäckebrot wird der Name auch oft Wasa geschrieben, ich bleibe hier aber beim V.
  2. Davon habe ich auch noch reichliche unveröffentlichte Fotos. Wenn ich also mal kein aktuelleres Material mehr habe, gibt es hier einen Artikel…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.