Über den Wolken – Besteigung des Fuji

Ich habe am 10.07. diesen Jahres den Fuji bestiegen und werde wie so viele andere hier in einem Blogbeitrag darüber berichten. Die traditionelle japanische Art, dies zu tun, ist abends zu einer der zahlreichen Berghütten aufzusteigen, dort (kurz) zu übernachten um dann den restlichen Weg zum Gipfel im Morgengrauen zurückzulegen. Dort wird man dann hoffentlich von einem sehr schönen Sonnenaufgang belohnt, bevor man wieder absteigt. Da ich mit meinem Kollegen nicht sehr langfristig geplant hatte, versuchten wir gar nicht erst, einen Platz in einer Hütte zu bekommen und planten für eine Tagestour.

Der Fuji nach Sonnenuntergang von der Bushaltestelle an der 5. Station aus fotografiert.
Der Fuji nach Sonnenuntergang von der Bushaltestelle an der 5. Station aus fotografiert.

Als wir am Abend vorher aus Tokio in dem kleinen Ort Kawaguchiko am Fuße des Fuji ankamen, in dem wir ein Hotel gebucht hatten, war es bereits so nebelig, dass man in einem Vergnügungspark an der Bahnstrecke die oberen Enden der Achterbahnen nicht sehen konnte. Wir verbrachten den Abend dann damit, in dem Ort einen Supermarkt für den Provianteinkauf und ein Restaurant fürs Abendessen zu suchen. Ich war schon vom Laufen durch Tokio total erschöpft und hatte wenig Lust am nächsten Morgen bei Regen auf einen hohen Berg zu wandern.

Der nächste Morgen zeigte sich dann doch viel freundlicher, sodass wir nach einem ausgiebigen japanischen Frühstück am Bahnhof von Kawaguchiko einen Bus zur fünften Station am Hang des Fuji nahmen. Insgesamt gibt es vier sehr gut ausgebaute Wege zum Gipfel. Wir nahmen den beliebtesten und einfach zu erreichenden Yoshida-Weg, der insgesamt neun Stationen hat, an denen sich Hütten mit Verpflegungs-, Sanitär- und Sanitäts-Einrichtungen befinden.  Die Busstation befindet sich also bereits auf halber Strecke zum Gipfel in etwa 2300  m Höhe. Von dort sind es nur knapp 7 km Weg, allerdings auch ein Höhenunterschied von über 1,4 km.

Stark befestigte Schotterwege zwischen der 6. und 7. Station am Fuji
Stark befestigte Schotterwege zwischen der 6. und 7. Station am Fuji
Lavafelsen mit Seilen, die den Aufstiegsweg zu einer Hütte im Hintergrund markieren.
Aufstieg zu einer Hütte im Bereich der 7. Station

Man befindet sich zunächst noch knapp unterhalb der Baumgrenze und geht ein Stück relativ ebenerdig, bis man an der sechsten Station den eigentlichen Aufstiegspfad trifft. Von dort bis zur siebten Station besteht der Weg aus einer teilweise mit Stufen befestigen Schotterpiste. Nicht zuletzt wegen der dünnen Höhenluft bin ich doch sehr schnell außer Atem gekommen und konnte nicht lange mit meinem deutlich Ausdauer-trainierteren Kollegen mithalten. So machte ich alle 200 m Pause und versuchte, die Treppen möglichst zu umgehen um unnötiges Beine-Heben zu vermeiden.

Nach der siebten Station, wenn man wirklich keine Lust mehr auf Schotter hat, kommt zur Abwechslung festere Lava. Es schließen sich dann die 7,5. Station sowie die alte und neue 8. Station an. Damit es nicht langweilig wird, gibt es zwischendrin wieder eine ganze Weile Schotterwege, bevor man das letzte Stück bis zum Kraterrand aus gröberen Lavafelsen erreicht. Die 9. Station ist nur noch eine kleine Schutzhütte am Berghang.

Eine Station auf einer Höhe von 3100 m. Mein erstes Mal, dass ich so hoch zu Fuß unterwegs war!
Eine Station am Fuji auf einer Höhe von 3100 m. Mein erstes Mal, dass ich so hoch zu Fuß unterwegs war!
Eine Verpflegungsstation am Fuji. Robust gebaute Hütte vor einer Schräge aus roter und schwarzer Lava.
Eine Station am Fuji-Hang.

Als ich dort war, war es schon sehr windig. Ich hatte alles an Kleidung an, was ich mit hatte (s.u.) und hatte den Sonnenhut gegen meine Wintermütze getauscht. Ansonsten blieb es den ganzen Tag heiter. Bis etwa zur achten Station zogen gelegentlich Wolken vorbei, danach konnte man sie von oben betrachten. Eine ziemlich coole Erfahrung, so lange durch Wolken zu gehen, bis man über ihnen ist! Am Gipfel wird man dann von einem Shinto-Tor begrüßt, dessen Balken voller Münzen sind, vermutlich weil das Glück bringt. Ich habe für den Aufstieg (nach Auswertung der Zeitstempel meiner Fotos) etwa 5h und 10 Minuten gebraucht, was ziemlich durchschnittlich ist. Meistens sind Aufstiegszeiten zwischen 4 und 6 Stunden angegeben, nur die Schilder am Wegesrand sind noch pessimistischer 1.

Dort oben fand gerade ein Fotoshooting mit zwei Bauarbeitern statt. Ansonsten kann man sich mit warmen Getränken und Postkarten eindecken und in den Krater gucken. Verglichen mit dem Vesuv, auf dem ich 2011 war, kam mir der Fuji-Krater deutlich weniger rund vor. Beim Vesuv kann man bis auf den Boden des Kraters gucken und sieht einen großen Schotter-Trichter. Der Fuji ist dagegen so steil, dass man (zumindest von der Stelle aus, an der wir waren) gar nicht den Grund sehen kann, sondern nur die gegenüberliegende Steilwand. Man kann aber den Krater komplett umrunden, was beim Vesuv nicht möglich ist.

Aussicht beim Abstieg auf den Aufstiegspfad.
Aussicht beim Abstieg auf den Aufstiegspfad.

Nach etwa 90 Minuten machten wir uns wieder an den Abstieg. Während man auf dem Hinweg noch ein Ziel vor Augen hat und man schnell zu spirituellen (und sehr japanischen) Einsichten über langsames aber stetiges Voranschreiten kommt 2, war der Abstieg für mich vor allem eine qualvolle Erfahrung. Im Gegensatz zum Aufstieg verläuft der Abstiegsweg über eine wenig abwechslungsreiche Schotterpiste, die man etwa zwei Stunden lang hinab rutscht, stolpert und fällt. Einziger Trost war dabei die wirklich sehr schöne Abendsonne, die den Berghang erleuchtete. Spätestens hier braucht man aber auf jeden Fall höhere Wanderstiefel, die das schlimmste Umknicken verhindern. Ich hatte mir extra vorher welche gekauft, die allerdings nicht massiv genug waren, um auch das Hineingelangen von Geröll in den Schuh zu verhindern… Wenn man dann den direkten Abstiegsweg hinter sich hat muss man noch etwa eine Stunde auf einem recht flachen Weg zurück an der sechsten Station vorbei zur neuen fünften Station mit der Bushaltestelle.

Zurück in der Abenddämmerung an der 6. Station.
Zurück in der Abenddämmerung an der 6. Station.

Ich kam dort ziemlich pünktlich zum Sonnenuntergang an und musste dann noch 45 Minuten auf den nächsten Bus warten. Mein Kollege hatte sich unterwegs spontan entschieden, doch gleich den ganzen Berg hinab zu gehen. Er kam dann auch tatsächlich schon kurz nach mir im Hotel an. Ich hatte allerdings in der Zwischenzeit in einem kleinen Lokal im Ort gegessen und er hatte ein Taxi genommen, als er (Überraschung!) feststellte, dass der Pfad im Nachbarort endete.

Die nächsten drei Tage hatte ich doch sehr intensiven Muskelkater, insbesondere beim Hinabgehen von Treppen. Ansonsten hatte ich am nächsten Tag einen Sonnenbrand auf den Handrücken von etwa 3 cm Breite zwischen den Knöcheln und dem Ende der Jacke, und leichte Kopfschmerzen, vermutlich, weil ich mit zwei Litern doch zu wenig zu Trinken dabei hatte. Insgesamt waren wir aber doch ganz gut ausgerüstet und es war eine sehr gelungene Unternehmung. Es ist toll zu merken, dass der eigene Körper zu so einer Wanderung in der Lage ist. Ich hätte ihm das vorher nicht unbedingt zugetraut.

Einzelne Berggipfel in der Umgebung des Fuji in Wolken getaucht.
Einzelne Berggipfel in der Umgebung des Fuji in Wolken getaucht.

Zur Planung eigener Fuji-Besteigungen kann ich die (englischsprachige) Seite von Gary J. Wolff sehr empfehlen, der sehr viele Informationen und Erfahrungsberichte gesammelt hat und diese auch aktualisiert. Offizielle Informationen sind ohne Japanisch-Kenntnisse nur schwer zugänglich. Insgesamt bin ich ganz froh über unsere Tageswanderung und halte die traditionelle Art mit der Wanderung im Dunkeln für nicht so toll, weil der Pfad schon nicht ganz einfach ist. Man kann es jedenfalls auch tagsüber ganz gut schaffen. So waren die Wege nicht überfüllt. Auf dem Hinweg war man zwar fast nie alleine, auf dem Rückweg dagegen schon ziemlich oft. Wir waren ingesamt etwa von 9-21h unterwegs, wobei die Wanderung etwa von 10.30-19h gedauert hat. Wir hatten ein Hotel am See in Kawaguchiko, von dem aus man ganz gut den Bahnhof erreichen konnte, an dem auch mehrmals pro Stunde Busse zur 5. Station fahren. Angereist sind wir von Tokio-Shinjuku aus mit einem JR-Zug nach Otsuki und von dort aus weiter mit einer kleinen Privatbahn bis zum Ende. Wenn man genug Zeit hat, würde ich einen längeren Aufenthalt in der Gegend empfehlen. Sie sah ganz nett aus und direktes Weiterreisen am nächsten Tag ist etwas anstrengend ;-). Der Vollständigkeit halber noch eine Ausrüstungsliste, von der ich auch (bis auf die Regenjacke und Pflaster) alles gebraucht habe!

  • 1,5 l Wasser und 0,5 l Cola (+ unterwegs gekaufte 0,25 l Tee und 0,25 l Fanta)  war meinem Eindruck nach zu wenig
  • diverses Essen: Würstchen, Erdnussriegel, Kekse, Brötchen, …
  • Wanderstiefel und -socken
  • eine winddichte(!!!) Jacke und eine Regenjacke
  • Wanderhose (War auch eine sehr gute Investition, man sollte den Vorteil uneingeschränkter Bewegungsfreiheit nicht unterschätzen!)
  • T-Shirt (war leider nicht ausreichend atmungsaktiv…), dünner Pullover, Fleecejacke
  • Sonnenhut, Mütze
  • Sonnencreme
  • Pflaster
  • 100-Yen Münzen für die Toilettenbenutzung
  • Kamera!

Was ich nicht dabei hatte:

  • Wanderstöcke (wären für den Abstieg wahrscheinlich sehr hilfreich, für den Aufstieg meiner Meinung nach eher störend, besonders für die Lava-Abschnitte)
  • Handschuhe (Habe ich nicht so sehr vermisst. Am Gipfel war es noch einigermaßen warm genug und ich fasse gerne Felsen an 🙂 )

Notes:

  1. Vermutlich damit sich niemand schlecht fühlen braucht, wenn er es nicht in der angegebenen Zeit geschafft hat.
  2. Vielleicht ist das auch der dünnen Höhenluft geschuldet.
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